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Full text of "Eine oskische inschrift aus Pompeji"

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bemerkaugen Ober deutsch -slavische vrörtergemeinschaft. 65 

bisein (laus. Anton st. 1) geht bis in den germ. norden hin- 
ein, vgl. B. daen. bisse; vgl. u. a. Graft 3, 216: Richthofen afrs. 
wörterb. 620. 

grabscheo ist aucn pos., laus., wetteran. u. s. w.; vgl. B. 
79. 392; Anton st. 8. s. 15; G.W. 2, 430. 

grätschen u. s. w., auch pos. B. 80, ist ein vieldeutiges 
deutsches wort; vergl. u. a. ergretschen prehendere bei Alten- 
staig; Fr. 1, 368 b ; Sm. 2, 125; G, W. 2, 432. 

jechen, auch pos. und laus. B. 80; Anton st. 2. 9; vgl. u. 
a. jachen u. dgl.; Fr. I,483 b ; Stalder 2,71. 

müdeln (cunctari) ist vielleicht deutsch; vgl. G.W. 2, 10. 

rabatzen, in Mitteldeutschland rabastern u. s. m.; viele 
formen dieses schwerlich ursprünglich slav. wortes s. bei B. 231 ; 
Br. W. 2, 413. 3, 444. 

raegern (coaxare) auch laus. Anton st. 12. In der Wetterau 
heifst der den fruehlingsanfang intonirende frosch raeling («die 
raelinge singen"), verschieden von dem fischnamen regling u. 
dgl. und von roerling rana portentosa. 

Frankfurt a M. Lorenz Diefenbacb. 



Eine oskische inschrift aus Pompqji. 

Der freundlichkeit des hr. dr. Henzen in Rom verdanke ich 
die mittheilung der folgenden mit oskischem alphabete eingegra- 
benen inschrift, welche gegen ende des vorigen Jahres bei auf- 
deckung eines thores an der südmauer in Pompeji gefunden wurde. 
Sie lautet: 

. siuttiis. m. n. püntiis . . 

. idilis. ekak. viam. terem . . 

. tens. ant. pünttram. staf . . 

anam. viu. teremnatust. per 
5) . . iussu. via. pümpaiiana. ter 

emnattens. perek'. III. ant. ka . . 

la. iüveis. meelikiieis. ekass. vi 

ass. ini. via. iuviia. ini. dekkvia 

rim. medikeis. pumpaiianeis 
10) serevkidimaden. uupsens. iu . . 

su. aidilis. prufattens 



56 Aufrecht 

Ich glaube sie etwa in folgender art konstituiren zu können : 
Siuttiis M., N. Pontiis ., aidilis, ekak via mleremnattens ant 
pontram slafianam Vio teremnatost per[ek.]. Jussu via pom- 
paiiana teremnattcns perek. III ant ka[i]la Ioveis Melikiieis. Ekass 
viass ini via joviia ini dekviarim medikeis pompaiianeis serevkid 
imaden opsens, jussu aidilis profattens. 

und übersetze: . Suttius M. f., N. Pontius . f., aediles, hanc viani 
terminaverunt ante portam stabianam. Via terminata est perlicis. 
Jussu viani pompejanam terminaverunt perticis(?) III ante cel- 
lam(?) Jovis Mcilicbii. Has vias et viain joviam et decialem med- 
dicis pompejani in -i -a fecerunt, jussu aediles probaverunt. 

Sprachlich bietet die inschrift mancherlei neues. Siutiisist 
ein neues beispiel zu den bd. I, 87 zusammengestellten, wo einem 
u ein i vorgeschlagen ist; die vermuthung, als habe die folgende 
liquide darauf eingewirkt, wird freilich dadurch widerlegt. — 
Aidilis ist das erste beispiel eines nom. pl. der i-deklination 
und lehrt, dafs wie im lateinischen und wahrscheinlich auch im 
umbrischen derselbe durch blofse vokalverlängerung bei hinzufü- 
gung des pluralischen s gebildet wurde, während die konsonan- 
tische deklination dieses unmittelbar au den stamm anfügte (med- 
diss aus meddik-s). — Ekak ist der acc. sg. f. für ckam-k und 
erscheint ebenso bei Mommsen T. X, 24. — Teremnattcns und 
das späterfolgende opsens, profattens sind 3. pers. perf. pl., 
deren sg wir in profatted und opsed haben. Die oskische per- 
fektbildung in der a-konjugation bietet mir bis jetzt unlösliche 
Schwierigkeiten. Einerseits sehen wir in ämanaffed, aikdafed das- 
selbe durch antreten der wurzel f u gebildet, während in profat- 
ted, profattens, teremnattcns (vergl. noch tribarakattins, tribara- 
kattuset) von den stammen profa, teremna in dem doppel-t der 
tempuscharakler zu liegen scheint; opsed, opsens, proffed entbeh- 
ren vollends scheinbar ganz eines solchen. Bemerkenswerth ist 
auch der Übergang des alten t in s bei der indicativendung ens. 
— Pontram, welches wohl irrthümlich mit tt geschrieben ist, 
trage ich kein bedenken der örtlichiceit gemäfs, wo die inschrift 
gefunden ist, mit porta zu übersetzen, mit dem es freilich etymo- 
logisch nichts gemein hat. Vielmehr stelle ich es mit pons, növ- 
roe, nitog, skr. panthin (via) zusammen und glaube, dafs aus der 
allgemeinen bedeutung des gangs sich die besondere des durch - 
gangs, wie bei pons des Übergangs gebildet habe. — Terem- 
natost ist eine für prosaische rede bemerkenswerllie zusammen- 



ciue oskische insclirift aus Pompeji. 57 

Schmelzung von teremnato est. — Per[ek]. Der stein ist hier sehr 
abgenutzt, so dafs man in den Überresten des k eine X hat erken- 
nen wollen. Für die buchstaben ck und X bietet sich indefs kein 
räum, so dafs ich bezweifle, dafs hier überhaupt eine zahl vor- 
banden gewesen. Perek., offenbar eine abkürzung, habe ich 
willkürlich mit pertica übersetzt, ein längenmafs ist darin jeden- 
falls enthalten. Vielleicht täusche ich mich nicht, wenn ich in 
perek das umbrische perca wiederfinde. Das letztere konnte bei 
der bekannten Vorliebe des oskischen für einschiebung eines vo- 
cals hinter einer liquida sich kaum anders gestalten. Perca aber 
scheint auf den iguviniscben tafeln (vgl. umbr. sprd. II, 107) einen 
stab zu bezeichnen, der leicht auch ein maafs vorstellen konnte. 
Demnach ergänze ich perek an beiden stellen in perekais. — 
iu8su ist jedenfalls aus dem römischen entlehnt; für den ab- 
fall des d im abl. giebt es im oskischen kein beispiel. — Via 
pompaiiana sind acc. sg. mit abgefallenem m, wie gleichfalls 
das folgende ka[i]la, und via jovia. Nimmt man hiezn den abfall 
des d vor Joveis, so darf man die inschrift in ziemlich späte zeit 
setzen. — Ka[i]la. Hinter ka ist eine kleine lücke für einen 
buebstaben; sehr einfach ist die ergänzung des Wortes in kaila 
= cella; doch bleibt die diphthongische natur des e in cella noch 
nachzuweisen. — Ekass viass zeigt, dafs auch in der a-dekli- 
nation die endung -s aus ns entstanden zu denken ist, wofür 
auch das äolischc -w<i spricht. — Dekviarim, wofür der stein 
dekkviarim liest, ist (!• r acc. sg. eines adj. auf ari-s, das wahr- 
scheinlich von einem subst. dekvia abgeleitet ist. Dem entspricht 
tekvia auf tab. iguv. II b 1, leider unbekannter bedeutung. Ein 
Zusammenhang mit dem eigennamen Decius, Dequius liegt auf der 
band. — Medikeis poinpaiianeis hängt von serevkid ima- 
den ab. Von diesen letzteren Wörtern ist nun soviel klar, dafs 
serevkid das subst., abl. sg. der i-deklination weibl. geschlechts, 
und imad das adj. ist, en ist die suffigirte präposition wie in 
exaisc-en, eisuc-en, censtom-en auf der TB. — Auch sachlich 
sind in der inschrift mancherlei dunkelheiten, die ich an einem 
anderen orte hervorzuheben beabsichtige. 

A.